30.12.2020

Liebe Silke,

Über dieses Jahr zu sinnieren ist eine viel zu große Aufgabe für mein müdes Gehirn. Stattdessen ein paar Worte zu meinem ersten eigenen Weihnachtsbaum. Ich habe jeden morgen Weihnachtsmusik angemacht, bin mit Elena im Arm um den Baum getanzt und habe mitgesungen. Elena hat es besonders gefallen wenn ich kräftig gesungen habe und ihr war es zum Glück egal ob ich die Texte kannte. Bei einem Lied mit Panflöte hatte sie immer ein großes Lächeln im Gesicht. Auf dem Bild sieht man die Überreste – irgendwie traurig die vielen Nadeln auf dem lustigen Weihnachtsbaumteppich.

23.12.2020

Liebe Kathrine!

Nun ist also fast Weihnachten und die Stadt ist seltsam leer. In den Geschäften wartet vereinzelt Personal auf 'click & pick'-Kunden und Restaurants auf Abholer. In den Kiosken und auf dem Wochenmarkt geht das Leben fast normal weiter, aber die Stimmung ist verhaltend und die Vorfreude, Aufregung und Betriebsamkeit nicht wie sonst an einem 23. Dezember. Beim Michel wurde heute Vormittag eine kleine Bühne aufgebaut und der Turm hat sich in den Nebel gehüllt. Mein Weihnachtsbäumchen steht hinterm Haus vor einem Bürogebäude und ist ein seltsamer Anblick. Von Weitem sieht es etwas elend aus, von nahem sieht man eine ganz eigen Schönheit.

Liebe Silke,

In Dänemark heisst der 23. Dezember lille juleaften - kleiner Weihnachtsabend. Zu deinem kleinen Tannenbaum habe ich Große. Von einer neuen Route die ich letzten Mittwoch gegangen bin. Wenn ich so deinen Hintergrund sehe, freue ich mich auch wieder auf Stadt. Auf eine andere Materialmischung und Schichtung. Nicht nur neue Wege im Wald entdecken, sondern auch die Städte in der Umgebung. Aarhus kenne ich ja kaum, obwohl ich schon seit einem halben Jahr hier wohne bin ich bisher nur vorbeigefahren.

16.12.20

Liebe Silke,

Hier hat im Dezember bisher 1 Stunde die Sonne geschienen, davon hatte ich letzte Woche Bilder gezeigt. Heute allerdings sehe ich blauen Himmel und freue mich wahnsinnig darauf die Sonne auch gleich zu sehen. Die Lichtblicke in der letzten Woche waren im Wald auf meinen Spaziergängen zu finden, davon gibt es diese Woche eine kleine Sammlung Bilder. Wieder nicht erwischt aber gesehen habe ich den Eisvogel und ein paar besonders niedlichen kleine Vögel die auf deutsch Wintergoldhähnchen und im dänischen Vogelkönig heissen.

Liebe Kathrine!

Trübe und dunkel ist es hier auch. Sonnenstunden habe ich keine gezählt, werde aber in den nächsten Wochen Gelegenheit dazu haben. Der erneute 'lockdown' wird mir hoffentlich die Möglichkeit geben unterwegs zu sein und zu fotografieren. Die Stille und Leere des Frühjahrs ist noch nicht zu spüren. Meine Bilder von heute sind von vorletzter Woche und zeigen das neu entdeckte Gebiet, in das Anne mit mir gewandert ist. Dieses Jahr habe ich eine große Liebe zu Schrebergärten entwickelt und dieses Hier ist besonders eigen, da es nur ein schmaler Streifen ist und die Häuschen wie kleine echte Häuser aussehen und nicht wie Lauben.

02.12.20

Liebe Kathrine,

So begeistert am Dekorieren wie Du bin ich leider nicht. Aber ich erfreue mich an der ersten Amaryllis des Jahres und Immergrün aus Mutters Garten. Am Sonntag habe ich gemerkt, dass ich die Unfarbigkeit und das scheinbar Reduzierte des Winters mag. Natürlich graut mir immer vor den langen dunklen Monaten und der Kälte aber mein Blick wird so eigenartig geschärft für Details und Strukturen, die im Sommer verborgen scheinen. Die Baustelle am Großen Burstah ist immer noch toll, bzw der momentane Feiraum. Das was architektonisch geplant ist, als 'neues Stück Hamburg' ist allerdings kein Anlass für Vorfreude.

Liebe Silke,

Ich habe mir gestern auch Gedanken über das Winterlicht gemacht, allerdings weil nach einer Woche die Sonne endlich rauskam, für ein kleine Stunde bevor sie um 16 Uhr wieder untergegangen ist. Vielleicht schärft das Winterlicht die Wahrnehmung auch weil es so rar ist.

Beim Wäsche aufhängen hat die Sonne noch richtig gewärmt, beim Spaziergang hat mich der große dramatischen Himmel beglückt.

02.12.20

Liebe Kathrine,

Das Pfaffenhütchen ist eine meiner liebsten Pflanzen und ich bin immer hocherfreut, wenn ich eines sehe. Dein Wald scheint wirklich viel bereitzuhalten! ich habe auch ein neues Gebiet gezeigt bekommen aber ich zeige heute meinen typischen Mittwochsort. Meistens laufe ich mittwochs durch Planten un Blomen ins Karo-Viertel um dort bei Dokuwa Kaffee oder Milchtee zu trinken und zu plaudern. Zurück laufe ich dann über das Heiligengeistfeld, dass dieses Jahr, ohne Dom, fast immer leer und zugänglich war. Dort wurde immer Sommer gelagert und Radfahren geübt und natürlich die Weite genossen. Der Gewichtheber auf dem großen Feld scheint mir direkt symbolisch für diese Zeit zu sein. Der Bunker an der Feldstrasse ist ja immer einen Blick wert und die baulichen Veränderungen schreiten voran. Dieser tage leuchtete das Laub so schön vor den dunklen Mauern.... aber uns ist ja ein Garten versprochen worden...

Liebe Silke,

Bei deinem Text und Bildern bekomme ich richtig Heimweh nach Hamburg. Das wäre jetzt sehr schön mit Dir eine Runde zu drehen.

Ich bin aktuell voll in Dezemberstimmung, habe geschmückt und gebacken, Vanillekränze und schwedisches Schokoladenbrot. Mit meiner Weihnachtsvorfreude bin ich anscheinend nicht alleine, neben dem übertrieben geschmückten Vorgarten waren heute auf meinem Weg die tollen Herzen zu finden. Der kleine Wichtel hängt an meiner Schreibtischlampe, den durfte ich von meiner Mutter abgreifen, er hing früher immer an unserer Esstischlampe.